Stiftung Bayerische Gedenkstätten kooperiert beim Gräberprojekt

Rund 1.400 Grabmäler auf dem Neuen Israelitischen Friedhof München erinnern an die Schicksale jüdischer Mitbürger, die in den Jahren 1933 bis 1945 verstarben. Darunter befinden sich auch Gräber von Menschen, die im Konzentrationslager Dachau ermordet wurden oder durch die ausweglose Situation in den Selbstmord getrieben wurden. Viele der Grabsteine sind inzwischen durch Witterung und Wildwuchs bereits ganz oder zu großen Teilen zerstört, Inschriften kaum mehr lesbar, Oberflächen angegriffen. Weil die Angehörigen verfolgt und ermordet wurden oder emigrieren mussten, gibt es niemanden, der sich um die Erhaltung der Gräber kümmern könnte. Hier möchte die ErinnerungsWerkstatt München e. V. etwas tun.

2026 hat die ErinnerungsWerkstatt zehn Gräber wieder in einen würdevollen Zustand versetzen lassen. Darunter waren auch die Gräber der im Konzentrationslager Dachau ermordeten Hermann Fuld und Ferdinand van Wien. 2027 werden weitere 10 Gräber hergerichtet.

Bild: Stiftung Bayerische Gedenkstätten

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten hat hier ohne Zögern die ErinnerungsWerkstatt München unterstützt und die Kosten für die Steinmetzarbeiten übernommen. In umfangreichen Recherchen, in die mehr als 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit geflossen sind, sind Biografien zu Fuld und van Wien entstanden, die nicht nur vom Tod in Dachau berichten, sondern auch von ihrem Leben davor oder was nach ihrem Tod den Angehörigen widerfahren ist.

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten erhält und gestaltet die KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg als Erinnerungs- und Lernorte. Seit 2013 ist sie zudem für 75 KZ-Friedhöfe und Grabstätten in ganz Bayern verantwortlich. Zu ihren Aufgaben gehören deren Sicherung und Pflege ebenso wie die historische Vermittlung.

Ziel ist es, diese Orte als würdige Ruhestätten zu bewahren und ihre Geschichte für Besucherinnen und Besucher verständlich zu vermitteln. Informationstafeln und weitere Vermittlungsangebote machen die historischen Zusammenhänge sowie – soweit möglich – die Namen und Lebensgeschichten der Opfer sichtbar.

KZ-Friedhöfe erfüllen damit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe: Sie halten die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen wach, unterstützen die historisch-politische Bildungsarbeit und mahnen, Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu schützen. Sie tragen dazu bei, das Wissen um die Verbrechen des Nationalsozialismus an nächste Generationen weiterzugeben.

Grabstätten von Ferdinand van Wien und Hermann Fuld instandgesetzt

Ferdinand van Wien und Hermann Fuld wurden im November 1938 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt und dort ermordet. Ihre letzte Ruhestätte fanden sie auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München. Die Instandsetzung ihrer Grabstätten trägt dazu bei, die Erinnerung an die beiden Verfolgten und ihre Lebensgeschichten wachzuhalten. 

Ferdinand van Wien

Ferdinand van Wien wurde 1872 im niederländischen Winschoten geboren und führte in München gemeinsam mit seinem Bruder die erfolgreiche Tuchhandlung „Gebrüder van Wien“. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde ihm schrittweise seine wirtschaftliche Existenz entzogen. Am 10. November 1938 wurde er in das Konzentrationslager Dachau verschleppt, wo er vier Tage später infolge von Misshandlungen und verweigerter medizinischer Versorgung starb.

Die vollständige Biografie ist hier zu finden: Ferdinand van Wien — ErinnerungsWerkstatt München

Hermann Fuld

Hermann Fuld wurde 1874 in Laubuseschbach geboren und lebte seit 1900 als Kaufmann in Weiden in der Oberpfalz. Während der Novemberpogrome wurde er am 10. November 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Dort erschoss ihn ein SS-Obersturmführer am 15. November 1938.

Die vollständige Biografie ist hier zu finden: Hermann Fuld — ErinnerungsWerkstatt München

Bilder der beiden Grabmäler, jeweils vor und nach den Arbeiten.

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Ausstellung zum 85. Jahrestag in der Gedenkstätte Museum im Fort IX der Festung Kaunas