Ehrenhain II im Friedhof am Perlacher Forst

 

Der Ehrenhain II auf dem Friedhof am Perlacher Forst erinnert an Opfer der nationalsozialistischen Justiz, die zwischen 1942 und 1945 im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet wurden. Die heute dort bestatteten 93 Männer stammten aus der damaligen Tschechoslowakei, Polen, Österreich und dem Deutschen Reich. Sie wurden aus politischen, rassistischen oder sozialen Gründen von der NS-Justiz verfolgt, zum Tode verurteilt und überwiegend mit der Guillotine ermordet.

Ehrenhain II, Foto: © Stiftung Bayerische Gedenkstätten / T. Hase

Das Gefängnis München-Stadelheim war während der NS-Zeit ein zentraler Ort staatlicher Verfolgung und Unterdrückung. Nachweislich wurden dort mindestens 1.188 Menschen hingerichtet. Viele der Verurteilten galten den Nationalsozialisten als „Hochverräter“, „Volksschädlinge“ oder „Saboteure“. Andere wurden wegen regimekritischer Äußerungen, des Hörens ausländischer Radiosender oder Fluchtversuchen verfolgt. Unter den Opfern befanden sich zahlreiche politische Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer aus unterschiedlichen europäischen Ländern und Widerstandsgruppen, darunter Mitglieder der „Weißen Rose“, tschechischer und österreichischer Widerstandsorganisationen sowie kommunistischer und bürgerlicher Netzwerke.

Die Leichen der Hingerichteten wurden ihren Angehörigen häufig nicht übergeben. Auf Anordnung des Reichsjustizministeriums ließ man viele Opfer anonym verscharren, einäschern oder anatomischen Instituten überstellen. Zahlreiche Ermordete wurden auf dem Friedhof am Perlacher Forst in namenlosen Gräbern bestattet.


Der Ehrenhain II entstand ab 1954 auf Beschluss des Münchner Stadtrats. Bis 1958 wurden zahlreiche zuvor anonym bestattete NS-Opfer dort umgebettet. Die Entscheidungen über Umbettungen oder Überführungen in die Heimatländer erfolgten vielfach ohne Einbeziehung der Angehörigen. Seit 1996 erinnert ein Grabstein aus Flossenbürger Granit mit den Namen der Ermordeten an ihr Schicksal.

Der Erinnerungsort macht die europaweiten Dimensionen der nationalsozialistischen Verfolgung sichtbar und verweist zugleich auf die Rolle der NS-Justiz als Teil des Terror- und Unterdrückungsapparates des Regimes. Unter den Bestatteten befinden sich Menschen, die aus innerer Überzeugung Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten, ebenso wie Opfer rassistischer Verfolgung und Personen, deren Biografien und Verfolgungshintergründe bis heute nicht vollständig geklärt sind.


Am 28. April 2026 wurden am Ehrenhain II zwei neue Informationstafeln feierlich eingeweiht. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten mit Nachkommen der Opfer, dem Gesundheitsreferat der Landeshauptstadt München sowie der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Grundlage der Tafeln sind Forschungen der Historikerin Irene Stuiber zur Geschichte des Ehrenhains und zu den Biografien der dort Bestatteten. Die Tafeln wurden teilweise in der JVA München-Stadelheim gefertigt. Zur Einweihung sprachen unter anderem Angehörige ehemaliger Widerstandskämpfer; die Veranstaltung endete mit einer gemeinsamen Kranzniederlegung.

Karl Freller, Stiftungsdirektor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten,
Foto: © Stiftung Bayerische Gedenkstätten / T. Hase

Die neuen Informationsangebote vor Ort sowie die Website https://www.stiftung-bayerische-gedenkstaetten.de/gedenkorte/ehrenhain-friedhof-perlacher-forst sollen dazu beitragen, die Namen, Lebensgeschichten und Schicksale der Opfer sichtbar zu machen und das Erinnern an die Verbrechen der NS-Justiz dauerhaft wachzuhalten.


Autor: Dr. Jascha März, Mai 2026

 
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„Wenn wir das nicht weitertragen, gerät es irgendwann in Vergessenheit“