Bernhard Friedmann

 

Bernhard Friedmann
(Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv)

Geboren am 3. Februar 1875 in Bauerbach

Deportiert am 20. September 1942 nach Theresienstadt

Gestorben am 29. Oktober 1952 in Basel

 
 

Herkunft

Bernhard Friedmann wurde am 3. Februar 1875 in dem südthüringischen Ort Bauerbach geboren. Seine Eltern waren Josef und Marianne Friedmann, geborene Tannenbaum, deren Lebensdaten nicht bekannt sind. Sein Bruder Louis wurde 1863 geboren. 

Wie bei vielen jüdischen Landgemeinden der Fall, ging auch in Bauerbach die Anwesenheit von Juden auf eine gezielte Ansiedlung zurück. So brachten örtliche Freiherren, seit dem 17. Jahrhundert, in einem ungenutzten Herrenhof Menschen jüdischen Glaubens unter, um von deren Steuer- und Schutzabgaben zu profitieren. Auch die Friedmanns zählten zu den Familien, die in dem bald als „Judenbau“ bezeichneten ehemaligen Gutshof lebten. In ihren Rechten blieben sie lange eingeschränkt – so erhielt Josef Friedmann erst 1864 das Staatsbürgerschaftsrecht des Königreichs Bayern, zu dem Bauerbach damals gehörte. Seinen Lebensunterhalt verdiente Bernhard Friedmanns Vater, wie alle jüdischen Männer in dem Ort, durch Handel, unter anderem mit Vieh, Schnittwaren oder Alteisen. 

Da in Bernhard Friedmanns Geburtsjahr 1875 die kleine jüdische Konfessionsschule von Bauerbach mit der christlichen Schule vereinigt wurde, dürfte er diese gemeinsam mit seinen nichtjüdischen Altersgenossen besucht haben. Religiöse Unterweisungen und Feierlichkeiten fanden in der seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts in der Ortsmitte gelegenen Synagoge von Bauerbach statt.


Umzug nach Burgkunstadt

1898 zog der 23-jährige Bernhard Friedmann in das knapp 100 Kilometer südöstlich von Bauerbach, im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels gelegene Burgkunstadt. Hier gab es bereits seit dem Spätmittelalter eine jüdische Gemeinde und auch einen Zweig der Familie Friedmann, der schon seit Generationen ortsansässig war. Bernhard Friedmanns Bruder Louis war bereits früher nach Burgkunstadt übersiedelt, hatte hier einen Käsegroßhandel aufgebaut und 1894 die aus dem Ort stammende Rosa Oppenheimer geheiratet, mit der er die Kinder Margarethe (*1995), Fridolin (*1897) sowie Pauline (*1900) bekam.

Bernhard und Marie Friedmann in der 1920er Jahren (Quelle: Staatsarchiv München)

Bernhard Friedmann arbeitete in Burgkunstadt wohl zunächst im Betrieb seines Bruders mit, übernahm zwischenzeitlich ein Kolonialwarengeschäft und machte sich schließlich 1902 ebenfalls als Käsegroßhändler selbstständig, wahrscheinlich weiterhin in Verbindung mit seinem Bruder. Im gleichen Jahr heiratete Bernhard Friedmann die 1876 in Burgkunstadt geborene Marie Rothschild. Die Tochter des Kaufmanns Salomon Rothschild und seiner Frau Ida, geborene Oppenheimer, war wohl eine Verwandte von Louis Friedmanns Ehefrau Rosa.




Zuzug nach München

Anfang 1915 zogen Bernhard Friedmann und seine Frau Marie nach München. Auch hier folgte der mittlerweile 40-jährige Bernhard Friedmann wieder seinem Bruder Louis, der bereits 1906 in die bayerische Landeshauptstadt übergesiedelt war und seinen Käsegroßhandel im Westend, in der Guldeinstraße 32, weiterführte. Bernhard und Marie Friedmann zogen in eine nahegelegene Wohnung in der Bergmannstraße 46, wo die beiden bis zum Jahr 1928 wohnten. 

In diesem Jahr schied Bernhard Friedmann aus dem Käsegroßhandel aus und begann eine neue Tätigkeit als selbstständiger Provisionsvertreter für Käsewaren. Zu den wichtigsten Produzenten, für die Bernhard Friedmann von nun an tätig war, zählten die Käsefabrik Franz Xaver Huber in Buchloe (heute Karwendel GmbH) sowie die Käsefabrikation Jakob Strauß in Kempten, eine der wenigen jüdischen Unternehmen der Branche.

Seit 1933 wohnten die Friedmanns in der Tengstraße 19 (Foto: Matthias Hell)

Der Wechsel in das Vertretungsgeschäft scheint für Bernhard Friedmann zu Beginn mit einer Verschlechterung seiner wirtschaftlichen Lage einhergegangen zu sein: In den Jahren 1928/29 zogen er und seine Frau dreimal um und lebten, zunächst zur Untermiete, in der Kanalstraße 8 sowie in der Mozartstraße 10 und dann in einer eigenen Wohnung in der Hiltenspergerstraße 27. Eine leichte Verbesserung seiner Einkünfte scheint um 1933 eingetreten zu sein, als ein weiterer Umzug in die Tengstraße 19 erfolgte, wo Bernhard und Marie Friedmann die folgenden sechs Jahre, bis zu ihrem Wegzug aus München, lebten. Bernhard Friedmann selbst charakterisierte seine wirtschaftlichen Verhältnisse als „bescheidene Lebensführung“, die weder den Aufbau von Vermögen noch nennenswerter Rücklagen ermöglicht habe.

Obwohl die Ehe der Friedmanns kinderlos geblieben war, scheinen die Münchner Jahre auch von einer Art spätem Familienglück geprägt gewesen zu sein: Ilse Rothschild, die 1911 in Burgkunstadt geborene Tochter von Marie Friedmanns Bruder Max Rothschild, wurde zum Schulbesuch nach München geschickt und lebte dort wohl bei ihrem Onkel und ihrer Tante. Das Verhältnis scheint recht eng und warmherzig gewesen zu sein. So sprach Bernhard Friedmann später von seiner „Nichte und Pflegetochter“ und Ilse Rothschild selbst, die 1937 nach England emigrierte, erinnerte sich noch viele Jahre später im Familienkreis gerne an die „gute Tante Marie“.


Nationalsozialistische Repression

Mitte der 1930er Jahre feierte erst Bernhard und dann Marie Friedmann ihren 60. Geburtstag. Damit hatten sie ein Alter erreicht, in dem sich eigentlich allmählich die Frage nach der Gestaltung ihres Ruhestands gestellt hätte. Doch die Lebensumstände für das Ehepaar verschlechterten sich. Bernhard Friedmann erkrankte 1935 an einem schweren Magenleiden und musste sich daraufhin einer Operation unterziehen, von der er sich nur langsam erholte. Dem verminderten Arbeitsaufkommen standen erhebliche Krankheitskosten gegenüber, so dass Bernhard Friedmann 1936 einen Antrag auf Steuerermäßigung stellte. Es begann eine langwierige und für Bernhard Friedmann wohl recht aufreibende Auseinandersetzung mit dem Finanzamt München-Nord, die sich über Jahre hinziehen sollte.

Bernhard und Marie Friedmann Mitte der 1930er Jahre (Quelle: Staatsarchiv München)

Ob es sich dabei um eine bewusste Gängelung von Bernhard Friedmann aufgrund seiner jüdischen Glaubenszugehörigkeit handelte, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Doch geht aus den erhaltenen Finanzakten hervor, dass – auch als es Bernhard Friedmann gesundheitlich wieder besser ging – die nationalsozialistischen Repressionen seine Arbeit immer schwerer machten.  

Um den Jahreswechsel 1937/38 verlor er als „Nichtarier“ seine beiden bisherigen Vertretungsaufträge und konnte sich nur eine wesentlich umsatzschwächere neue Vertretung sichern, so dass er erneut eine Herabsetzung seiner Steuerlast beantragen musste. Im Februar 1938 wurde Bernhard Friedmann – wie damals praktisch allen jüdischen Gewerbetreibenden – die Verlängerung seiner Gewerbelegitimationskarte mit der nicht weiter ausgeführten Begründung der „Unzuverlässigkeit“ verweigert. Mit Hilfe der jüdischen Münchner Rechtsanwaltskanzlei Erlanger, Wassermann und Mayer reichte Bernhard Friedmann im April 1938 eine Beschwerde gegen den Entscheid ein und begründete diese mit seiner tadellosen, 40-jährigen Gewerbeausübung sowie der Notwendigkeit einer weiteren Berufstätigkeit für seine Lebenshaltung. Es lässt sich nicht sagen, ob ihm die Ausweglosigkeit seiner Beschwerde bewusst wurde oder ob es zu konkreten Repressionen kam, jedenfalls zog Bernhard Friedmann im Oktober 1938 seine Beschwerde zurück. Die Konsequenz daraus war dann die Einstellung und Abmeldung seines Gewerbebetriebs zum Jahresende 1938 – ganz im Sinne der von den Nationalsozialisten betriebenen Verdrängung von jüdischen Gewerbetreibenden aus dem wirtschaftlichen Leben.


Wegzug aus München

Bernhard und Marie Friedmann waren somit ab 1939 ohne Einkommen und verfügten auch über keinen nennenswerten Besitz oder Rücklagen. Im November 1939 kam es daraufhin zum Wegzug aus München in die nordthüringische Stadt Nordhausen. Wie selbstbestimmt dieser Wohnortwechsel war, lässt sich schwer sagen. Bernhard und Marie Friedmann zogen in Nordhausen in die Arnoldstraße 17, in das Haus der jüdischen Familie Stern, einem sogenannten „Ghettohaus“, in das von den Nationalsozialisten zwangsweise jüdische Untermieter eingewiesen wurden. Da zwischen Bernhard Friedmann und der Hausherrin Emma Stern allerdings entfernte verwandtschaftliche Beziehungen bestanden, ist eine bewusste Entscheidung für den Wohnort immerhin denkbar. 

Informationen über das Leben der Friedmanns in Nordhausen sind nicht erhalten – bis auf eine Akte des Städtischen Finanzamts, in der dokumentiert wird, wie das Finanzamt München-Nord Bernhard Friedmann selbst nach dem Wegzug und der erzwungenen Aufgabe seiner beruflichen Tätigkeit weiter mit teils weit zurückgehenden Steuerforderungen verfolgte. Ebenfalls geht aus der Steuerakte hervor, dass sich Bernhard und Marie Friedmann offensichtlich um eine Auswanderung bemühten. Im Februar wurde ihnen die dafür nötige „Steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung“ erteilt. Wohin die Friedmanns emigrieren wollten – denkbar wäre beispielsweise nach Großbritannien zu ihrer Nichte Ilse Rothschild – und warum es schließlich nicht dazu kam, geht aus den Unterlagen nicht hervor. 


Deportation nach Theresienstadt

Nach fast drei Jahren in Nordhausen wurde Bernhard und Marie Friedmann 1942 die Deportation nach Theresienstadt angekündigt. Der nationalsozialistischen Darstellung entsprechend, wonach zum „Ghetto Theresienstadt“ auch ein „Altersheim für Juden“ gehörte, mussten der 67-jährige Bernhard Friedmann und seine 65-jährige Frau Marie einen sogenannten „Heimeinkaufsvertrag“ mit der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland abschließen. Darin wurde festgehalten, dass die Eheleute ihr letztes verbliebenes Guthaben in Höhe von 300 Reichsmark für die „Unterbringung“ in Theresienstadt aufwendeten. 

Am 20. September 1942 wurden Bernhard und Marie Friedmann über Weimar und Leipzig nach Theresienstadt deportiert, gemeinsam mit Theodor und Emma Stern, den Eigentümern des Nordhausener „Ghettohauses“. In Theresienstadt dürfte Bernhard Friedmann auf seinen Bruder Louis getroffen sein, der bereits im Juni 1942 aus München in das euphemistisch als „Ghetto“ bezeichnete Lager deportiert wurde und dort – wie später auch Bernhard und Marie Friedmann – an der Adresse Parkstraße untergebracht wurde. 

Laut einer vom „Ältestenrat“ der angeblichen „Selbstverwaltung“ des „Ghettos Theresienstadt“ ausgestellten Todesfallanzeige starb Louis Friedmann am 18. Januar 1943, kurz vor seinem 80. Geburtstag, an den Folgen eines Darmkatarrhs. Die Unzuverlässigkeit dieser Angaben sowie die Lebensumstände im Lager legen es aber nahe, von einer Ermordung zu sprechen. 

Drei Monate nach Bernhard Friedmanns Bruder starb auch seine Ehefrau im Alter von 66 Jahren. Im Theresienstädter Gedenkbuch ist der Tod von Marie Friedmann für den 21. April 1943 vermerkt. Eine Todesfallanzeige zu weiteren Details lässt sich in den Archiven nicht finden.


Rettung aus Theresienstadt

Knapp zwei Jahre später ergab sich für den mittlerweile 70-jährigen Bernhard Friedmann Anfang 1945 plötzlich die Möglichkeit zur Rettung aus Theresienstadt: Sein Name fand sich auf einer Liste von rund 6.000 nach Theresienstadt deportierten Personen, die für eine Ausreise in die Schweiz in Frage kamen. Der Schweizer Altbundesrat Jean-Marie Musy, der über gute Kontakte in das nationalsozialistische Deutschland verfügte, hatte im Auftrag des in der Flüchtlingshilfe engagierten, die zunehmende Schwäche des Naziregimes erkennenden jüdischen Schweizer Ehepaars Recha und Yitzchok Sternbuch in direkten Verhandlungen mit Heinrich Himmler und dessen Umfeld den Transport von 1.200 Personen in die Schweiz vereinbart. Nach von den Nazis vorgegebenen Kriterien stellte die „jüdische Selbstverwaltung“ von Theresienstadt daraufhin die Liste der 6.000 potenziellen Kandidaten zusammen, von denen rund 2.000 einer Teilnahme zustimmten, aus welchen wiederum, nach einer Prüfung durch die Lagerkommandatur, die endgültige Auswahl getroffen wurde.

Bernhard Friedmann nach seiner Ankunft in der Schweiz (Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv)

Die Teilnahme an dem Transport war in Theresienstadt hochumstritten. Viele der in Frage kommenden Lagerinsassen trauten der möglichen Rettung in die Schweiz nicht – schließlich hatte bis dahin eine weitere Deportation stets nur noch Schlimmeres bedeutet. Bernhard Friedmann scheint nach dem Tod seiner Frau und seines Bruders bereit gewesen zu sein, sich auf dieses Wagnis einzulassen. Er bestand offensichtlich auch die Befragung durch den Lagerkommandanten Karl Rahm und den Chef des „Zentralamtes für die Regelung der Judenfrage in Böhmen und Mähren“, Hans Günther, so dass er zu jenen 1.200 Häftlingen aus Theresienstadt gehörte, die am 7. Februar 1945 – sieben Monate vor Kriegsende – nach einer zweitägigen Zugreise im ostschweizerischen St. Gallen ankamen. Gemäß der Schweizer Transitlanddoktrin wurden die Flüchtlinge schnell in Auffanglager weiterverteilt, wo sie mit Arbeitsverbot belegt und zu einer baldigen weiteren Emigration angehalten wurden. Bernhard Friedmann kam so zunächst in eine Aufnahmeeinrichtung in der Nähe von Montreux, am Genfer See, sowie ab Mitte 1945 nach Engelberg in die Zentralschweiz.


Aus der Schweiz in die USA und zurück

In der Schweiz war Bernhard Friedmann erst einmal darum bemüht, seine materielle Existenz zu sichern und sich gesundheitlich zu stabilisieren. In Fragebögen beschrieb er sich selbst nach seiner Zeit in Theresienstadt als nervenkrank und gebrechlich, auch als Folge seines fortgesetzten Magenleidens. Anfang 1946 musste er zweimal operiert werden und blieb danach sehr geschwächt. Da ihm selbst einfachste Besitzgegenstände in Theresienstadt genommen worden waren, war Bernhard Friedmann auf kleine Überweisungen angewiesen, die ihm seine Nichte Ilse Rothschild – sie trug inzwischen den Familiennamen Keller – aus Großbritannien zukommen ließ. Außerdem unterstützte ihn Frances Hollander, eine in den USA lebende Cousine.

Wie er erklärte, wollte Bernhard Friedmann, wegen seines Alters, eigentlich in der Schweiz bleiben, doch die Behörden drängten auf eine weitere Emigration. Während zunächst erste Schritte für eine Ausreise nach Großbritannien in die Wege geleitet wurden, rückte 1946 eine Auswanderung in die USA in den Mittelpunkt. Am 13. September 1946 reiste Bernhard Friedmann schließlich über Paris mit dem Flugzeug in die USA, wo er zwei Tage später am Flughafen New York von der Einwanderungsbehörde registriert wurde. Als ersten Wohnsitz in den USA gab er dabei die Adresse seiner Cousine Frances Hollander im New Yorker Stadtteil Queens an. Frances Hollander war es dann auch, die sich rund drei Jahre später, im Juli 1949, bei den Schweizer Behörden meldete und für Bernhard Friedmann nach der Möglichkeit einer Rückkehr fragte. Er sei in den USA einsam und wolle zurück in die Schweiz, weil er dort Bekannte habe, so die Begründung.

Das ehemalige Gebäude des jüdischen Altersheims La Charmille, in dem Bernhard Friedmann sein Lebensende verbrachte (Quelle: Fredy Wickli/Dokumentationsstelle Riehen, Signatur RIE B.2 671 / 09447-00)

Das Dossier zu Bernhard Friedmann im Schweizerischen Bundesarchiv bricht an dieser Stelle ab. Das Begräbnisverzeichnis des Israelitischen Friedhofs in Basel zeigt jedoch, dass es tatsächlich zu einer Rückkehr in die Schweiz kam. Im Alter von 77 Jahren verstarb Bernhard Friedmann am 29. Oktober 1952 im jüdischen Altersheim La Charmille im Baseler Vorort Riehen. Die Einrichtung war vom Verein Jüdisches Altersheim 1947 am nordwestlichen Dorfrand Riehens – nur wenige hundert Meter von der deutschen Grenze entfernt – eröffnet worden. Hier wurden in den ersten Jahren vor allem betagte und pflegebedürftige Menschen jüdischer Religionszugehörigkeit aufgenommen, die vor dem Nationalsozialismus in die Schweiz geflüchtet waren. Nach seinem Tod wurde Bernhard Friedmann auf dem Basler Israelitischen Friedhof bestattet. Sein Grab hat die Nummer D438.


Schicksal naher Angehöriger

Während die Ehefrau von Bernhard Friedmanns Bruder Louis, Rosa Friedmann, bereits 1937 an einer natürlichen Todesursache starb, überlebten seine Kinder Margarethe, Fridolin und Pauline den Holocaust. Margarethe, die seit ihrer Heirat in München 1923 den Familiennamen Bihrle trug, überstand die Kriegszeit versteckt in ihrer Wohnung in der Bergmannstraße. Fridolin Friedmann wurde ein anerkannter Pädagoge. Er begleitete nach den Novemberpogromen 1938 mehrere Kindertransporte nach England und blieb 1939 dort im Exil. Seine Schwester Pauline Friedmann heiratete 1925 den Historiker und Schriftsteller Erich Bloch. Die Ehe wurde nach einigen Jahren geschieden und als Paula Bloch emigrierte sie Ende der 1930er Jahre ebenfalls nach England.

Der Stolperstein für Marie Friedmann in Burgkunstadt (Quelle: Wikipedia/Christian Michelides, CC BY-SA 4.0)

Von den Geschwistern von Bernhard Friedmanns Frau Marie heiratete die Schwester Lore Rothschild in Nordhausen Ludwig Herzfeld und wurde 1942 im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Den Brüdern Max und Julius Rothschild gelang die Flucht aus Deutschland. Julius Rothschild ging 1940 nach Spanien. Max Rothschild folgte 1939 seiner Tochter Ilse nach London, wo er 1943 verstarb. 2009 wurden in Burgkunstadt Stolpersteine für Marie Friedmann und Lore Herzfeld verlegt. Dies geschah auf Initiative von Julius Rothschilds Enkelin Yvonne Rothschild. Bei der Verlegung der Stolpersteine war auch Susan Frenzel, die Tochter von Bernhard Friedmanns Nichte Ilse, dabei.


Text und Recherche

  • Matthias Hell, Januar 2026

Quellen

  • Einwohnermeldekarten zu Bernhard Friedmann und Marie Friedmann, Stadtarchiv München.

  • Regierungsblatt für das Königreich Bayern 1864.

  • Polizeiakte zu Bernhard Friedmann, Staatsarchiv München, Pol. Dir. 12499.

  • Verzeichnis der gewerbepolizeilich gemeldeten jüdischen Gewerbetreibenden in München, Febr. 1938.

  • Stadtarchiv München, Gewerbeamt – Arisierung (Abg. 7/12a), Signatur DE-1992-GEW-ARI-042.

  • Steuerakte Bernhard Friedmann, Landesarchiv Thüringen, Finanzamt Nordhausen, Nr. 116 v4 9745 Abt. C.

  • Arolsen Archives, DocID: 128184535.

  • Schweizerisches Bundesarchiv, Signatur: E4264#1985/196#57709*, Aktenzeichen: N38286, Dossier-Nr. 38286 zu Bernhard Friedmann.

  • Gespräche und Korrespondenz mit Yvonne Rothschild und Susan Frenzel.

Internetquellen

Literatur

  • Forschungsgruppe „Geschichte der Juden im nationalsozialistischen Thüringen“: Juden in Thüringen 1933 - 1945, Band 1. Erfurt 2000.

  • Kárný, Miroslav (Hg.): Theresienstädter Gedenkbuch. Prag 2000.

  • Metzger, Thomas, Kaufmann, Helen (Hg.): „Wir machen einen grossen Schritt ins Leben“, Die aus dem Ghetto Theresienstadt Befreiten in der Schweiz: Lebenswege und Erinnerungen. Zürich 2025.

  • Salewsky, Anja: „Der olle Hitler soll sterben!“, Erinnerungen an den jüdischen Kindertransport nach England. München 2001.

  • Schwerda, Elke, Nothnagel, Hans: Juden im Schillerort Bauerbach. In: Hans Nothnagel (Hg.): Juden in Südthüringen, Band 3. Suhl 1999.

 
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Max Freund

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Dr. Eugen Fromm