Jenny Fromm, geb. Hockenheimer

 

Stadtarchiv München, Kennkartendoppel 1938/39

 

Geboren am 23. Oktober 1888 in Hockenheim, Baden

Deportiert am 14. September 1943 nach Auschwitz

Ermordet am 17. September 1943 in Auschwitz

Herkunft aus Hockenheim, Kindheit in Mannheim

Jenny Fromm, geborene Hockenheimer, stammt aus der Großfamilie von Isaac Hockenheimer. Er war ihr Großvater und hatte mit seinen vier Söhnen eine Tabak- und Zigarrenfabrik in Hockenheim.

Jenny Fromms Vater war Leopold Hockenheimer, geboren am 11. April 1851 und verstorben am 23. September 1921 in Mannheim.

Ihre Mutter war Sophie Hockenheimer, geborene Kaufmann. Sie wurde am 22. Oktober 1940 von Mannheim in das Internierungslager Gurs/Südfrankreich deportiert, wo sie 84-jährig am 6. Dezember 1940 verstarb.

Jenny Hockenheimer war das einzige Kind ihrer Eltern. Am 14. März 1893 zogen diese mit ihrer vier-jährigen Tochter nach Mannheim, Bahnhofsplatz 9. Ihr Vater war Fabrikant, unklar ist, was er produzierte. Eine Eintragung seiner Firma ließ sich bisher nicht finden.

Auch die drei Brüder ihres Vaters Maier, Karl und Samuel Hockenheimer lebten in Mannheim und hatten Firmen, die mit Zigarren und Hopfen handelten. 

Im General-Anzeiger Abendblatt vom 20. März 1906 wurde das Klavierspiel der 17-jährigen Jenny Hockenheimer sehr gelobt. Sie war damals Schülerin der Musikschule von Ottilie Schuster. Sie spielte das Nocturno in b-Moll von Chopin und das Impromptu in Es-Dur von Schubert und erhielt dafür viel Beifall.


Eheschließung und Leben in München

Jenny Hockenheimer heiratete mit 22 Jahren, am 11. November 1910, den angesehenen Kinderarzt Dr. med. Eugen Fromm, geboren am 6. Juli 1877 in Augsburg. Bereits seit 1905 hatte dieser seine eigene Praxis in München. 

Am 15. Dezember 1910 zog sie zu ihm in die Ohmstraße 15/III. 

Am 8. April 1912 wurde der Sohn Kurt Fromm geboren. Er überlebte die Shoa und starb am 8. Februar 1999 in Wassenaar/Niederlande. 

In den Jahren 1915, 1916 und 1917 sind jeweils im Frühjahr ca. dreiwöchige Besuche von Jenny Fromm mit ihrem Sohn bei ihren Eltern in Mannheim auf ihrer dortigen Meldekarte vermerkt. Kriegsbedingt wurden damals auch Besuche festgehalten. Als ihr Vater in Mannheim starb, veranlasste ihr Ehemann Dr. med. Eugen Fromm am 24. September 1921 den Sterbeeintrag, nachdem er als Arzt dessen Tod festgestellt hatte. 

Im Oktober 1930 zog das Ehepaar in ihre eigene 6-Zimmer-Wohnung in der Brienner Straße 54/I, wo sich von 1933-1938 auch die Kinderarztpraxis befand. Nach Aussage ihres Sohnes vom 15. August 1961 führten sie dort einen sehr gutbürgerlichen Haushalt. Die Möbel waren teilweise extra angefertigt worden. Es gab Gemälde, Gravuren, 2 große wertvolle Teppiche, altes Porzellan, einen Kristall Kronleuchter und einen Steinway Flügel. Kurt Fromm schätzte den Wert der Wohnungseinrichtung auf ca. 35.000 Reichsmark.


Emigration und Deportation

Seit dem 1. April 1938 war das Ehepaar in der Ludwigstraße 17b/II gemeldet, ab 1. August 1938 dann in der Prinzregentenstraße 8/II. Am 30. September 1938 wurde sämtlichen jüdischen Ärzt*innen per Gesetz die Approbation entzogen. 

Wie viele andere Juden wurde ihr Mann Dr. Eugen Fromm am 10. November 1938 nach der „Reichskristallnacht“ verhaftet und ins Lager Dachau gebracht. Dort wurde er nach 14 Tagen entlassen. Die Entlassung erfolgte in der Regel unter der Auflage, dass die Familie das Land zu verlassen habe. Die Eheleute emigrierten am 4. Januar 1939 nach Wassenaar/Niederlande.

Am 20. Februar 1941 meldeten sie sich nach einem Umzug in Utrecht an. Ab dem 19. März 1942 lebten die beiden in Amsterdam in der Jekerstraße 29.  

Das Ehepaar Fromm wurde am 9. März 1943 in das Konzentrationslager Westerbork gebracht und am 14. September 1943 mit 900 anderen Personen nach Auschwitz deportiert, wo sie am 17. September ermordet wurden.


Gedenken

Ein Erinnerungszeichen für Jenny Fromm ist bei der Landeshauptstadt München beantragt.


Text und Recherche

  • Bettina Gütschow

Quellen

  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv, LEA 46775.

  • MARCHIVUM, Mannheims Archiv: General-Anzeiger Abendblatt vom 20. März 1906, Familienbogen Leopold Hockenheimer, Meldekarten von Leopold Hockenheimer und Jenny Fromm, geb. Hockenheimer, Sterbeeintrag von Leopold Hockenheimer 24. September 1921, Auszug Adressbuch 1905 für die beiden Firmen, die unter dem Namen „Hockenheimer“ zu finden sind.

Onlinequellen

Zurück
Zurück

Dr. Eugen Fromm

Weiter
Weiter

August Gänswein