Jakob Weinbeck
Jakob Weinbeck, Foto privat
Geboren am 24. Juli 1882 in Donaustauf in der Oberpfalz
Gestorben am 8. März 1967 in Donaustauf in der Oberpfalz
Herkunft
Jakob Weinbeck war der älteste Sohn des Bauern Georg Weinbeck und seiner Ehefrau Theres, geborene Heindl. Er wurde am 24. Juli 1882 in Donaustauf geboren. Sein Bruder Georg starb mit zwei Jahren. Er verbrühte sich mit kochend heißem Wasser. Jakob Weinbeck wuchs als Einzelkind auf. Nach der Volksschule machte er eine Maurerlehre. In Fürstenfeldbruck leistete er seinen Wehrdienst bei dem Chevauleger-Regime ab.
München
Im November 1909 ging Jakob Weinbeck als Saisonarbeiter, Beruf Maurer, zunächst nach Dachau. Acht Monate später wechselte er von Dachau nach München. Ab 16. Juli 1910 verdiente er dort sein Geld. Er wohnte in der Nähe des Ostbahnhofs, in der Orleansstraße 67.
Am 1. Juli 1911 verließ er München. Er musste ab 18. August 1911 eine sechsmonatige Gefängnisstrafe im Zellengefängnis Nürnberg absitzen. Grund der Strafe war eine Körperverletzung mit einem Messer, die er am 26. Dezember 1910 bei einer Wirtshausrauferei einem Besucher verpasst hatte.
Nach der Entlassung fuhr er nach kurzem Aufenthalt in München nach Donaustauf. Am 16. März 1912 arbeitete er erneut bis Dezember 1912 in der Landeshauptstadt. Er wohnte diesmal in der Orleansstraße 39. Am 7. Dezember 1912 meldete er sich ab und fuhr in seine Heimat nach Donaustauf.
Der Erste Weltkrieg
Jakob Weinbeck in Uniform, Foto privat
Am 31. März 1913 heiratete er Maria, geborene Kollmannsberger (geboren am 1. Mai 1888, gestorben am 20. September 1978). Von August 1914 bis November 1918 kämpfte Jakob Weinbeck im Ersten Weltkrieg als Soldat in Frankreich. Er überlebte.
Politisches Engagement
Erste Seite des Mitgliedsbuch, Foto privat
Nach dem Krieg arbeitete Jakob Weinbeck wieder als Maurer in seiner Heimat. 1924 entschloss er sich, bei den Marktgemeinderatswahlen in Donaustauf auf der linksliberalen Liste „Reform“ zu kandidieren. Er wurde in den Gemeinderat gewählt.
Am 11. November 1928, genau zehn Jahre nach dem Waffenstillstand im Französischen Compiègne, trat er in die SPD ein. Am 8. Dezember 1929 kandidierte er erneut für den Donaustaufer Gemeinderat auf der SPD-Liste. Er wurde wieder gewählt.
Konflikte mit der NSDAP
Am 31. März 1933 fand in Donaustauf eine turbulente Gemeinderatssitzung statt. Der 1. Bürgermeister Franz Höpfl gab bekannt, dass der 2. Bürgermeister Johann Reith von der SPD sein Amt niederlegen solle. Zugleich sollte das Gemeinderatsmitglied Florian Kirchmayer, ebenfalls von der SPD, aus dem Gemeinderat ausscheiden. Angeordnet wurde diese Maßnahme telefonisch vom Bezirk in Regensburg. Daraufhin bat Jakob Weinbeck um das Wort. In einer engagierten Rede fragte er, ob eine schriftliche Begründung vorläge. Da dies nicht der Fall war, erklärte er, dass er an der Sitzung nicht mehr teilnehmen könne und erklärte seinen Rücktritt. Seine Parteigenossen schlossen sich an und verließen die Sitzung. Der Gemeinderat war nicht mehr beschlussfähig.
Im Protokoll wird die Rede von Jakob Weinbeck etwas verändert folgendermaßen festgehalten:
„Auf diese Bekanntgabe hin, ersuchte das Gemeinderatsmitglied Herr Jakob Weinbeck um das Wort, wo es ihm der Unterfertigte [Bürgermeister F. Höpfl] ausserhalb der Tagesordnung erteilte. Gemeinderat Weinbeck fragte an, ob vom 2. Bürgermeister Johann Reith und vom Gemeinderatsmitglied Florian Kirchmayer [Kirchmeier] schriftliche Gründe vorliegen, wonach selbe an den Sitzungen nicht mehr teilnehmen dürfen. Daraufhin erklärte der Unterfertigte, dass schriftliche Gründe nicht vorliegen, sondern vom Bezirksamte aus die Mitteilung telephonisch erging. Hierauf erklärte Weinbeck mündlich seinen Rücktritt, wobei sich die Gemeinderäte Alois Fisch, Hilfsarbeiter, Ludwig Huber, Fabrikarbeiter, Michael Märkl, Maurer, Georg Kollmannsberger, Zimmermann, Anton Schieferl, Zimmermann, den Ausführungen des Weinbeck anschlossen und entfernten sich von der Sitzung. Die Sitzung musste wegen nicht genügender Beteiligung abgebrochen werden.“
Unterschrieben ist das Protokoll von Bürgermeister Franz Höpfl.
Folgen
Die SPD-Gemeinderäte gingen danach ins Kolbeckwirtshaus, nur zwei Häuser entfernt vom Sitzungssaal. Dort wurde bei Weißbier laut und hitzig über die Sache diskutiert. Auch die politischen Gegner begaben sich in das Wirtshaus und belauschten die SPDler.
An einem der nächsten Tage kam Jakob Weinbeck in Schutzhaft, so berichtete seine Tochter Barbara, meine Mutter. Nach ein paar Tagen kam er wieder frei. Jemand hatte sich für ihn eingesetzt. Auch zu den Gemeinderatssitzungen ging er wieder. Am 16. Juni 1933 fand die letzte Sitzung mit Jakob Weinbeck statt. Am 22. Juni 1933 wurde die SPD vom NS-Regime verboten.
Die NS-Zeit
Jakob Weinbeck zog sich ins Privatleben zurück. Die Familie hatte sechs Kinder. Seine Frau Maria verbot ihm, ins Wirtshaus zu gehen. Sie hatte Angst, dass er sich dort wieder kritisch zu den Nazis äußern könnte, was brandgefährlich hätte werden können. Seine Kinder holten ihm deshalb mit einem Steinmaßkrug das Bier vom Wirtshaus. Er arbeitete weiter als Maurer. Am 15. August 1926 ertrank sein 11jähriger Sohn Georg in der Donau.
Sein ältester Sohn Jakob starb 1943 im Zweiten Weltkrieg während eines Häuserkampfes auf der Halbinsel Krim.
Die Nachkriegszeit
Gegen den ehemaligen Donaustaufer NSDAP-Bürgermeister Max Brandl, 1933 bis 1937, wurde 1946 von den Amerikanern ein Entnazifizierungsverfahren eröffnet. Im Spruchkammerakt findet sich ein persönliches Schreiben von Jakob Weinbeck. Darin versichert er an Eidesstatt, dass Dr. Max Brandl verhinderte, dass er als Nazi-Gegner verhaftet wurde. Max Brandl war derjenige, der die schützende Hand über ihn gehalten hatte.
Schreiben von Jakob Weinbeck, Spruchkammernakt Regensburg Land B 220 (Quelle: Staatsarchiv Amberg)
Die SPD-Genossen wollten, dass Jakob Weinbeck nach dem Krieg wieder für den Gemeinderat kandidieren solle. Doch er sagte ihnen ab. Sein Schwager saß wieder, für die SPD im Gemeinderat. Die Politik ließ ihn trotzdem nicht los. Pfeife rauchend und Bier trinkend saß er oft bei seinem Schwager. Sie diskutierten hitzig über die Politik und waren erleichtert, nicht mehr schweigen zu müssen.
Text und Recherche
Gerda Adlhoch, Oktober 2026
Quellen
Bayerische Staatsbibliothek, Donaupost vom 13. Dezember 1924, Ergebnisse der Gemeinderatswahlen Donaustauf.
Gemeindearchiv Donaustauf, Archiv Nr. 4865, Niederschrift der Gemeinderatssitzung vom 31.März 1933.
Staatsarchiv Amberg, Spruchkammernakt Regensburg-Land B 220.
Stadtarchiv München, DE-1992-PMB-W-111 zu Jakob Weinbeck.
Stadtarchiv Regensburg, Regensburger Anzeiger vom 20. Juni 1911, Nr. 303, Vorabendblatt, „Königliches Landgericht Regensburg“.
Familienarchiv Weineck, Heiratsurkunde, Geburtsurkunden der Kinder, Unterlagen zum Tod von Jakob Weinbeck jun., Sterbeurkunde von Georg Weinbeck und weiteres Material.
SPD Ortsverband Donaustauf, Mitgliedsbuch Jakob Weinbeck.
Onlinequellen
www.ancestry.de Kriegsranglisten und -stammenrollen des Königreich Bayerns , 1. Weltkrieg 1914-1914, zu Jakob Weinbeck, zuletzt aufgerufen am 13.10.2026.
www.findagrave.com Grabstätte Jakob und Maria Weinbeck, zuletzt aufgerufen am 13.10.2026.
Literatur
Adlhoch, Gerda: Jakob Weinbeck – Spuren eines Lebens in Donaustauf 1882-1967, Regenstauf, Battenberg-Gietl-Verlag 2022.